Journal
Das Journal bietet Kostproben aus Büchern, die in den Schreibrunden der Edition Unik entstanden sind. Erfahrungsberichte von Teilnehmenden bilden eine zweite Kategorie von Journalbeiträgen.
Orte (Tektonik)
Riehen, Rieche im Dialekt, soll als Wort verwandt sein mit Rist, Fussrist und hätte die Form eines konvex gekrümmten Sattels zwischen zwei Hügeln bezeichnet. Da kommt am ehesten die Senke zwischen dem Maienbühl und dem Mittelberg infrage, beide mit gut vierhundert Metern gleich hoch. Dazwischen, am tiefsten Punkt, liegt Inzlingen, schon ennet der Grenze im badischen Nachbarland. Das sanfte Tal nach Riehen hinunter plätschert der Aubach.
Ein Buch, ein richtiges Buch
Ein Buch, ein richtiges Buch. Die Seite wechseln von der Leserin zur Autorin – meine Freundin hatte es geschafft, ich war mehr als beeindruckt. In gerade einmal vier Monaten. V-i-e-r. Meine Bewunderung war gross. Sie erzählte vom Edition-Unik-Projekt. Ich notierte mir den Namen und sah mir später die Webseite an. Seriöse Aufmachung, klar und einfach.
Grossvater Albert
Mein Grossvater hatte als junger Mann bei der päpstlichen Schweizergarde im Vatikan gedient. Er war stolz, diese aussergewöhnliche Erfahrung gemacht zu haben. Mit seiner eloquenten Gabe erzählte und schilderte er diese Periode als eine Lehre fürs Leben.
«Käfer Josephine» und Elisabeths Barfussweg
Im Jahre 1966 habe ich Autofahren gelernt. Ich hatte Fahrschule mit einem Fahrlehrer aus Burgdorf. Eine Fahrstunde mit Lehrer kostete 16 Franken, zu dieser Zeit ein grosser Betrag. Zum Glück kam ab und zu mein Vater oder Bruder Hansjakob mit mir auf die Strasse und vor allem in die Stadt Bern.
Gedichte von Lotti Kofler
Ein kostbarer Besitz in meiner Primarschulzeit hiess Poesiealbum. Das erste Album hatte einen Überzug aus Stoff. Das Design des Stoffs war echt Fünfzigerjahre: olivgrüne, grosse stilisierte Blätter mit roten und gelben Farbklecksen auf weissem Grund.
Ich wiegte mich im Gefühl, daheim zu sein
Eines Tages wurde ich von meinem Neffen aus Tschechien angefragt, ob ich meine Biografie schon irgendwo verkauft hätte. Er würde jemanden kennen, der sie für mich schreiben könnte. Eine seltsame Frage, dachte ich. Wieso sollte ich das tun, meine Biografie verkaufen? Ich bin doch als Person nicht speziell, keine bekannte Persönlichkeit, für die sich die Öffentlichkeit interessieren könnte! Und überhaupt, falls eine Biografie über mich geschrieben werden soll, dann nur von mir.
Deine Feder
Federn haben es mir angetan. Schon immer habe ich mich gebückt, wenn eine Feder in meinem Weg lag und die grosse weisse Schwanenfeder unter meinen Bleistiften und Kugelschreibern zeigt es: Ich fliege gerne in Gedanken über die Weiten meiner Erinnerung und meiner Fantasie und lande immer wieder einfach dort, wo es mich hinzieht.
Ein Pilzwunder
Im Buch erzähle ich, wie mein Mann und ich in den Jahren 1999 bis 2003 jeweils im Spätsommer ca. zwei Wochen zu Fuss unterwegs waren, immer gerade so weit, wie es unsere Kräfte zuliessen. Mein Mann auf Schusters Rappen und ich im Rollstuhl. Der unermüdliche Swiss-Trac, ein kleines batteriebetriebenes Rollstuhlzuggerät, ermöglichte uns geradezu Unmögliches und zog mich und unser Gepäck von Basel bis Disentis.
Auf Irrwegen zum Halbbruder
Wie man zu Beginn dieser Biografie lesen konnte, wurde ich ja als Einzelkind mit der Bestimmung «ZBV» (zur besonderen Verwendung) geboren. Über meinem Vater hörte ich von meiner Mutter nur Geschichten, deren Wahrheitsgehalt nur einseitig geprüft werden konnten, wenn überhaupt.
Ein Komposthaufen an Erinnerungen
So wie die meisten als Neuling, Anfängerin oder Greenhorn in das Schreibprojekt der Edition Unik eingestiegen sind, genau so bin ich es auch – vor drei Jahren, im 2017.
Entdeckungen
In der Wohnstube im Neuhaus stand ein Radio. Das war damals fortschrittlich, weil man sie noch selten sah. Das riesige Möbel aus Holz stand auf einer Kommode, hatte verschiedene Knöpfe, an denen man drehen konnte (alle durften, ausser ich), und vorne war es bedeckt mit einer Art Tuch oder starkem Netz. Genau da kamen Musik oder Stimmen heraus.
Jäten
In Davos hatte ich einen Garten auf 1500 Metern Höhe, in dem alte Rosensorten neben Rittersporn und Akelei blühten. Die Wachstumsperiode war kurz, der Winter mit meterhohem Schnee dauerte fast ein halbes Jahr und so war ich glücklich über alles, was da wuchs. Mit Unkraut musste ich mich nicht abplagen, es blühte ja meist sogar noch!
Drei Kindheitserinnerungen
Durch den Spalt der Tür dringt Licht ins Kinderzimmer. Das Kind liegt im Bett. Es hört die Eltern ins Badezimmer gehen, hört ihre gedämpften Stimmen und dann das plätschernde Wasser. Das Kind fühlt sich wie ein Küken, wunderbar geborgen. Das Licht fällt auf seine geschlossenen Augen. Plötzlich ist da ein leuchtend warmes Rot.
Der Erneuerer
Meine Hoffnung auf ein sinnerfülltes Leben drohte zu erlöschen als ich 35 Jahre alt war. Privat war ich auf der Flucht vor einem lieben Menschen, der mich dazu zwingen wollte, ein Beziehungsleben wenigstens auszuprobieren. Beruflich hing ich in der Vertriebsabteilung der lokalen Zeitung fest, leistete klägliche Dienste gegen Gnadenbrot, war über- und unterfordert zugleich.