Journal
Das Journal bietet Kostproben aus Büchern, die in den Schreibrunden der Edition Unik entstanden sind. Erfahrungsberichte von Teilnehmenden bilden eine zweite Kategorie von Journalbeiträgen.
Der Aufhänger
Jonathans Einstieg in die Berufswelt war ebenfalls nicht sehr geglückt. Die kaufmännische Lehre, die er absolvierte, war alles andere als sein Berufsherzenswunsch.
Eingrenzung
Man muss tapfer sein, ein kleines Leben zu leben. Und man braucht sehr viel Mut, davon zu erzählen. Geschichten über kleine Leben, die von kleinen Leuten erzählt werden, sind deshalb selten.
Kapitel V [Ausschnitt]
Zu Hause. Die Situation am Arbeitsort beschäftigt mich. Ich bin Oberstufenlehrer und sogenannter Hausvorstand, ich unterrichte in der Stadt Zürich im Kreis 5, im Industriequartier. Meine Schülerschaft ist bunt gemischt, zwanzig Schüler aus acht Nationen.
Als meine Schwester Gritli das Licht der Welt erblickte
Mit acht Jahren bemerkte ich, dass Mutters Bauch immer grösser wurde. Zu fragen getraute ich mich nicht, denn eine Antwort hätte ich sowieso nicht bekommen. Mutter wurde immer dicker und schwerfälliger. „Hoffentlich platzt sie nöd“, dachte ich mir.
Berge
Lange vor Sonnenaufgang schleichen wir uns aus dem Haus. Noch schlaftrunken trotte ich neben ihm her durch das noch schlummernde Dorf. Hügelan…
Zwei Cousinen und ein Versprechen
Als wir kleine Mädchen waren, meine Cousine und ich, lagen wir in der Berghütte unter den Decken mit ihren rot-weissen Karobezügen. Wir hielten uns an der Hand und versprachen, uns nie zu verlassen…
Schneeflocke, Strandbad, Mondlandung
Es ist morgen. Draussen auf dem Trottoir gehen die Kinder mit geschultertem Ranzen am Kindergarten vorbei. Eines marschiert mit dem Gesicht gegen den Himmel und sieht nicht, wo es läuft. Der eben einsetzende Regen tropft auf sein Gesicht …
Prolog & Wir schaukeln das
Der Februar hat dieses Jahr 29 Tage. Und obwohl die Entscheidung längst gefallen ist, warten wir den allerletzten Tag des Monats ab. Warum, wissen wir selber nicht so genau …
Bravo und die Bee Gees
Das Mehrfamilienhaus, in welchem ihre beste Freundin, Marianne, mit ihren Eltern wohnte, war auch das Zuhause von Regula – einem Mädchen, das zwei Jahre älter war als Rita. Regula hatte zudem eine Schwester, die sogar vier Jahre älter war. Da lagen gefühlt mehrere Generationen dazwischen …
Ihr Weg in die Psychose
Simone thront zu Hause auf ihrem Meditationskissen, im Schneidersitz. Da ihre Beweglichkeit zu wünschen übrig lässt, stützt sie ihre Knie mit einer Decke. Die Hände sind zu einem Mudra geformt, welches reinigend wirken soll. Die anderen Menschen, die sie aus ihrer Meditationsgruppe kennt, praktizieren mit einer Handposition, welche bei ihr nicht funktioniert …
Primarschulzeit
Den Begriff „Legasthenie“ kannte man damals noch nicht. Tatsache war, dass ich all die formalen Leistungen nicht bringen konnte. Mein Vater war sehr enttäuscht über seinen einzigen Sohn: Ich entsprach nicht seinem Bild. Ich verspürte eine Art von Verachtung…
Grossvater oder Gropa
Lieber Fionn
Du hast deinen Grossvater nie gesehen. Als du geboren wurdest, war er schon 22 Jahre lang tot. Dein Papi war damals erst 10 Jahre alt. Ich möchte dir von deinem Grossvater erzählen. Er war ein lustiger Mann, er konnte aber auch recht stur sein…
Ehezeit
Ich heiratete jung, sehr jung sogar, viel zu jung. Klar begann alles im schönsten Licht, so wie es auch sein soll. Schnell zeichneten sich die ersten Stolpersteine ab, sie drangen leise, schleichend, unaufhaltsam, wie ein Geschwür, wie dunkle Wolken in unsere junge Ehe. Später, nach elf Jahren, als dann gar kein Licht mehr da war, wusste ich, dass ich gehen musste…
Ein Buch schreiben – Lust und Herausforderung
Vor einigen Jahren hatte ich Fotos aus dem Familienarchiv zusammengestellt, schön ausgedruckt und in einem Ordner abgelegt. Ich hatte im Sinn, zu jedem Bild einen Kommentar von einer halben A4-Seite zu schreiben. Vielleicht würden das meine Memoiren in Wort und Bild werden…
Zwei Epiloge
Ich eilte von der Spitalgasse an der Heiliggeistkirche vorbei Richtung Bahnhof. Plötzlich rief jemand rechts von mir: «Achtung!» Wahrscheinlich blieb ich daraufhin unvermittelt stehen oder verlangsamte meinen Gang und schaute nach rechts. Im gleichen Augenblick donnerten glasdünne Eisscheiben vom Dach der Kirche und zerplatzten vor mir in tausend Stücke…
Schicksalsjahr
Das Jahr 1964 wurde zum Schicksalsjahr für mich und meine Familie.
Im Januar begann in Basel die Offiziersschule für Ärzte, Zahnärzte und Apotheker und dauerte vier Wochen. Danach wurde ich zum Abverdienen des Leutnantgrades nach Winterthur aufgeboten, zu den Militärradfahrern oder «Redlibuben»…
Ein neues Land
Ich war jung und unvoreingenommen, neugierig und gewillt, alles zu tun, um mich nach den Jahren des Heranwachsens in Deutschland in meine neue Schweizer Wirklichkeit einzufügen. Ich kam aus dem flachen Norden, hatte Berge zum ersten Mal mit 20 gesehen. In Zürich gehörten sie zum Stadtbild, es erschien mir wie ein Wunder. Ich konnte Radfahren, knapp Skifahren, und heute sage ich: „Hier ist meine zweite Heimat.“
Fischer und Wäscherinnen
Die am weitesten zurückliegenden Erinnerungen, die ich an Búzios habe, sind die menschenleeren Strände. Es gab nur die Fischerboote, das Meer, das Land und den atlantischen Regenwald, der grün war und sich um alle Hügel schlang. Das war auch schon alles, aber es war wunderschön.
Coronavirus, Depression und Erinnerungen
Nora leidet an Demenz und beschliesst, ihre Gegenwart einzufangen, und zwar alphabetisch: Sie schreibt ein Corona-Alphabet. – Mein Roman entstand aus täglichen Gesprächen mit meiner 90-jährigen Schwiegermutter. Sie hat Krebs und Angst, ihr Gedächtnis zu verlieren. Die Pandemie könnte die letzte Erinnerung sein, die sie haben wird.
Hoi Berlin!
Freitag, der 14. Oktober. Immer noch in Berlin. Max Frisch schreibt in seinem Berliner Journal: «Bilanz der vier Monate Berlin, dass die Zeit vergeht.» Heute sind es bei uns rund 27 Monate, seit wir hier leben. Und ja, die Zeit vergeht. Offensichtlich.